Veröffentlicht von Michael Schulz · Beispielartikel, vor Veröffentlichung bitte aktualisieren
SD-WAN gilt seit Jahren als Standardantwort auf die Frage, wie sich mehrere Unternehmensstandorte flexibel und kosteneffizient anbinden lassen. In der Beratungspraxis zeigt sich jedoch: Viele Projekte scheitern nicht an der Technik selbst, sondern an unklaren Anforderungen im Vorfeld. Wer eine SD-WAN-Migration plant, sollte deshalb einige Punkte besonders sorgfältig klären.
Ein zweiter Zugang allein macht ein Netzwerk noch nicht ausfallsicher. Entscheidend ist, wie das SD-WAN-Overlay auf Leitungsausfälle reagiert: Wie schnell erfolgt der Failover, welche Anwendungen werden priorisiert und wie verhält sich die Lösung bei Teilausfällen einzelner Provider? Diese Fragen sollten anhand konkreter Testszenarien mit dem Hersteller oder Integrator durchgespielt werden, nicht erst im produktiven Ausfall.
SD-WAN kann selbst betrieben, teilweise ausgelagert oder vollständig als Managed Service bezogen werden. Für den Mittelstand ist oft ein hybrides Modell sinnvoll: Die strategische Kontrolle bleibt intern, der operative Betrieb (Monitoring, Störungsannahme, Konfigurationsänderungen) wird an einen spezialisierten Partner übergeben. Diese Aufteilung sollte vertraglich und organisatorisch von Anfang an klar definiert sein.
Da SD-WAN häufig direkte Internetausgänge an den Standorten ermöglicht (Local Internet Breakout), verschiebt sich die Sicherheitsarchitektur. Klassische, zentrale Firewall-Konzepte reichen dann nicht mehr aus. Integrierte oder cloudbasierte Security-Funktionen (SASE-Ansätze) sollten daher von Beginn an Teil der Planung sein und nicht nachträglich ergänzt werden.
Die reinen Lizenzkosten sind nur ein Teil der Gesamtkosten. Migrationskosten, Schulungsaufwand für das interne Team und die Kosten für parallel laufende Altsysteme während der Übergangsphase werden häufig unterschätzt. Eine belastbare Kalkulation sollte die gesamte Vertragslaufzeit abbilden, nicht nur das erste Jahr.
SD-WAN-Projekte gelingen dann, wenn Ausfallsicherheit, Betriebsmodell, Sicherheit und Kosten von Anfang an gemeinsam betrachtet werden – nicht nacheinander. Eine strukturierte Anforderungsanalyse vor der Ausschreibung spart in aller Regel mehr Zeit, als sie kostet.